Kino für Menschenrechte: Das Mädchen Hirut

Foto: Haile Addis Pictures

Am 2. April 2019 zeigen wir in Kooperation mit der Bergischen VHS Solingen den äthiopischen Spielfilm „Das Mädchen Hirut“ der einen realen Fall zur Grundlage hat.

„Die 14-jährige Hirut Assefa wird 1996 in der Nähe von Addis Abeba auf dem Schulweg von mehreren Männern entführt und von einem von ihnen vergewaltigt. Er beabsichtigt Hirut zu heiraten; dafür ist es in den ländlichen Gegenden Äthiopiens gemäß der alten Tradition der „Telefa“ erlaubt, die Braut vor der Eheschließung zu entführen. Hirut gelingt jedoch die Flucht. Bei der Verfolgung erschießt sie ihren Peiniger in Notwehr mit einem Gewehr. Sie wird wegen Mordes angeklagt, ein Verbrechen, das im schlimmsten Fall mit der Todesstrafe geahndet werden kann. Hirut wird in ihrem Kampf um Gerechtigkeit von der Anwältin Meaza Ashenafi unterstützt, die Frauen und Kindern in Not kostenlosen Rechtsbeistand leistet. Im Laufe des Prozesses wird deutlich, dass sie nicht nur um Hiruts Leben kämpfen, sondern auch gegen veraltete Traditionen und Unterdrückung.

Das Mädchen Hirut wurde auf zahlreichen Festivals gezeigt und erhielt u. a. den Panorama-Publikumspreis der Berlinale 2014 sowie den Publikumspreis in Sundance.“ [Quelle: wikipedia]

Als Gesprächspartnerin für die anschließende Diskussionsrunde mit dem Publikum haben wir Maria-Teresa Amarante eingeladen. Sie leitet als Amnesty-Mitglied in Kooperation mit der Vereinten Evangelischen Mission in Barmen eine Beratungsstelle für geflüchtete Frauen.

„Das Mädchen Hirut“
Spielfilm, Äthiopien/USA 2014
Regie: Zeresenay Mehari

Dienstag, 2. April 2019, 19:00 Uhr
Forum der Bergischen VHS Solingen, Mummstr. 10

Der Eintritt ist frei.

In Kooperation mit der Bergischen VHS Solingen.

Kino für Menschenrechte: Citizenfour

Edward Snowden & Glenn Greenwald in Hongkong. © Praxis Films

Am 5. Februar 2019 zeigen wir in Kooperation mit der Bergischen VHS Solingen den vielfach ausgezeichneten Dokumentarfilm „Citizenfour“ über die Geschichte Edward Snowdens.

„Im Januar 2013 erhält die Filmemacherin Laura Poitras verschlüsselte Emails von einem Unbekannten, der sich „Citizen Four“ nennt und Beweise für illegale verdeckte Massenüberwachungsprogramme der NSA und anderer Geheimdienste in Aussicht stellt. Im Juni 2013 fliegen Laura Poitras und der Journalist Glenn Greenwald nach Hongkong, um sich mit dem Unbekannten zu treffen. Es ist Edward Snowden.

CITIZENFOUR ist ein Thriller aus der Wirklichkeit, in dem sich die dramatischen Ereignisse Minute für Minute direkt vor unseren Augen entfalten – die atemberaubend spannende Geschichte über den waghalsigen Schritt eines jungen Whistleblowers, eindringlich, unbequem und von großer politischer Sprengkraft.“

Als Gesprächspartner für die anschließende Diskussionsrunde mit dem Publikum haben wir Tobias Morsches eingeladen. Der Experte für IT-Sicherheit engagiert sich ehrenamtlich seit vielen Jahren im Arbeitskreis gegen Vorratsdatenspeicherung und beim Verein Digitalcourage.

Citizenfour
Dokumentarfilm, USA/Deutschland 2014
Regie: Laura Poitras

Dienstag, 5. Februar 2019, 19:00 Uhr
Forum der Bergischen VHS Solingen, Mummstr. 10

Der Eintritt ist frei. Um Spenden wird gebeten.

In Kooperation mit der Bergischen VHS Solingen.

Johan Teterissa ist frei!

Über Jahre hinweg setzte sich unsere Amnesty-Gruppe für die Freilassung von Johan Teterissa ein. Der Grundschullehrer war 2008 zu 15 Jahren Haft verurteilt worden, weil er in Anwesenheit des damaligen indonesischen Präsidenten die molukkische Flagge gehisst hatte. Jetzt wurde er nach über 10 Jahren aus der Haft entlassen und konnte zu seiner Familie zurückkehren.

Screenshot Instagram @amnestyindonesia

Papang Hidayat von Amnesty International Indonesien schrieb am 25. Dezember 2018:

„Wir bekamen gerade die erfreuliche Nachricht, dass Johan Teterissa freigelassen wurde. Er ist inzwischen in seiner Heimatstadt Aboru Island, Molukken. Wir können dies aufgrund eines Telefongesprächs mit ihm bestätigen. Zusammen mit ihm wurde ein weiterer molukkischer politischer Gefangener, Johanis Riry, freigelassen während immer noch sechs weitere politische Häftlinge im Gefängnis von Ambon festgehalten werden.

Wir werden Euch auf dem Laufenden halten.

Während meines Gesprächs mit ihm sprach Johan allen Amnesty-Mitgliedern, die sich für ihn eingesetzt, seine bedingungslose Freilassung gefordert hatten und ihn zu einem politischen Häftling erklärten (er ist kein Krimineller!) seinen Dank aus.“

Auftaktveranstaltung „Cities for Life“ erfolgreich

Die Resonanz war trotz starker Termin-Konkurrenz erfreulich gut. Etwa 30 Besucher fanden am 30. November – dem internationalen Tag gegen die Todesstrafe – den Weg in den Franziskus-Saal der Gemeinde St. Clemens, auch dank der grünen Beleuchtung der Kirchenfenster, die Frank Göllmann inszeniert hatte.

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Aufwühlende Theateraufführung gegen die Spirale des Hasses

„Du sollst nicht hassen“ heißt die Biographie von Dr. Izzledin Abueleish. Die Adaption für die Bühne: „Ich werde nicht hassen“. Das Ein-Personen-Stück berichtet aus der Ich-Perspektive des palästinensischen Frauenarztes, der in Israel arbeitete, um seinen beruflichen Traum zu verwirklichen, der aber auch seinen palästinensischen Landsleuten zu einem besseren Leben verhelfen wollte. Er scheiterte in Gaza an der Hamas, in Israel an der Willkür der Behörden, die ihn immer wieder schikanierten. Michael Morgenstern vom Ali Jalaly-Ensemble verkörperte diesen Menschen zwischen Begeisterung und blanker Verzweiflung mit einer Intensität, die das Publikum erschütterte. 70 Besucher waren am 23. November in die Evangelische Stadtkirche Ohligs gekommen, um die Geschichte von Dr. Abueleish zu sehen. Amnesty International hatte zusammen mit der Theatergruppe Gaudium der Kirchengemeinde dazu eingeladen.

Vom kleinen Jungen, der sich zerreißt zwischen dem Wunsch, zur Schule zu gehen und der Notwendigkeit seine bitterarme Familie durch Arbeiten zu unterstützen, bis hin zum erfolgreichen Mediziner, der Einladungen nach Harvard erhält und von seinen israelischen Kollegen geschätzt wird, tänzelt Abueleish immer wieder glückselig durch sein Leben, wenn er Unterstützung von anderen erfährt, schluckt den Ärger runter, wenn er grundlos schikaniert wird. Unerträglich wird es, als er an Checkpoints stundenlang festgehalten wird während seine Frau im Sterben liegt. Der Wettlauf gegen die Zeit ist ein Albtraum, der ihn immer wieder heimsucht. Doch der eine Verlust ist kaum verwunden, da wird sein Haus vom israelischen Militär bombardiert. Drei seiner Töchter und eine Nichte kommen ums Leben.

Abueleish weigert sich an dieser Stelle, sich in die Spirale des Hasses zu begeben. Er nimmt ein Angebot aus Canada an, verlässt Gaza und gründet eine Friedensstiftung, die sich für bessere Bildungschancen von Mädchen und Frauen einsetzt. Der Schauspieler Michael Morgenstern setzte sich am Ende des Stückes vor das Publikum und sagte: „Es ist an der Zeit, sich hinzusetzen und miteinander zu reden.“

Nach minutenlangem Applaus kamen die ersten Fragen: „Wie gehen Sie damit um, so etwas zu spielen?“ Ein junger Mann, der erst seit wenigen Jahren in Solingen lebt, berichtete: „Ich habe genau so etwas erlebt. Ich habe diese Bilder immer im Kopf.“ Trotz der Hölle, die Morgenstern greifbar machte, blieb der Eindruck, dass menschliche Begegnung heilen kann und das auch an diesem Abend ein Stück weit passierte.