Workshop: Menschenrechte und Klimawandel

Der Workshop muss leider Corona-bedingt ausfallen!

  • Wann: Samstag, 16. Mai 2020 von 11 bis 14 Uhr
  • Wo: Forum der Bergischen VHS, Mummstr. 10, 42651 Solingen
Fridays for future und Parents for future luden zum globalen Klimastreik in Solingen. Foto: Daniela Tobias

Die Erderwärmung hat bereits jetzt verheerende Auswirkungen auf die Menschenrechte. Millionen von Menschen verlieren durch Überschwemmungen ihr Zuhause oder hungern, weil Dürren ihre Ernte zerstören. Sie haben aufgrund von Trockenheit keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser oder werden bei Wirbelstürmen verletzt oder getötet. Der globale Süden ist von den Folgen des Klimawandels am stärksten betroffen. Aber auch in Europa bedrohen die zunehmenden Hitzewellen die Gesundheit vieler Menschen, vor allem von Kindern, Schwangeren und älteren Personen. Wer die Menschenrechte aller Menschen weltweit bewahren möchte, muss sich dafür einsetzen, dass der Klimawandel aufgehalten wird.

Der Klimawandel droht Ungleichheit, Diskriminierung und Ungerechtigkeit auf der Welt zu verstärken. Denn seine Folgen treffen oft die Menschen besonders hart, die ohnehin schon benachteiligt werden, zum Beispiel arme Menschen, Frauen und Indigene.

Derzeit setzen sich von Tag zu Tag mehr Schüler*innen aktiv für den Klimaschutz ein und gehen auf die Straße, um zu demonstrieren. Die #FridaysforFuture-Bewegung agiert mittlerweile in Deutschland, Europa und der Welt und erhält auch in diesem Rahmen Aufmerksamkeit. Alleine am 15. März 2019 gingen weltweit 2 Millionen Menschen auf die Straße. Der politische Protest, bei dem Menschenrechte wie das Recht auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit wahrgenommen werden, ist überaus wichtig, muss aber stets – um überzeugend zu wirken – mit guten Argumenten einhergehen. Daher richtet sich der Workshop besonders an junge Menschen und junge Erwachsene, um mit ihnen folgende Leitfragen zu diskutieren und zu vertiefen:

  • Was ist und bedeutet Klimawandel?
  • Was sind Menschenrechte?
  • Was hat der Klimawandel mit Menschenrechten zu tun?
  • Welchen Einfluss hat jede Einzelne/jeder Einzelne, haben die Bundesrepublik und die EU auf den Klimawandel?
  • Wie kann ich mich engagieren?

Der Workshop ist kostenfrei. Um vorherige Anmeldung per E-Mail an info@amnesty-solingen.de wird gebeten.

Kino für Menschenrechte: Meister des Todes

Der Termin muss leider Corona-bedingt ausfallen!

Am 23. April 2020 zeigen wir in Kooperation mit der Bergischen VHS den Spielfilm „Meister des Todes“ von Daniel Harrich.

„In einem beschaulichen südwestdeutschen Städtchen arbeitet Peter Zierler beim Waffenhersteller HSW. Die Firma macht Exportgeschäfte mit fragwürdigen Kunden an der Grenze zur Illegalität. Bei einem Auslandsgeschäft muss Zierler mit ansehen, wie mit einem HSW-Gewehr auf junge Demonstrant/innen geschossen wird, und er entschließt sich, auszupacken.

Der Regisseur hat die Handlung auf reale Geschehnisse gestützt: Auf die Lieferung von Heckler und Koch nach Mexiko in den Jahren 2003 bis 2011, zu denen mehrere strafrechtliche Ermittlungen laufen.

„Meister des Todes“
Spielfilm, Deutschland/Mexico 2015
89 Minuten
Regie: Daniel Harrich

Mittwoch, 23. April 2020, 19:00 Uhr
Forum der Bergischen VHS,
Mummstr. 10, 42651 Solingen

Der Eintritt ist frei.

Kino für Menschenrechte: AGROKalypse

Foto: Marco Keller

Am 26. Februar 2020 zeigen wir in Kooperation mit der Bergischen VHS den Dokumentarfilm „AGROKALYPSE“ von Marco Keller.

„Die Urwaldlandschaft Brasiliens ist Schauplatz einer vom Mensch gemachten Tragödie. Dieses einzigartige, für uns alle lebenswichtige Ökosystem, wird Tag für Tag durch Sojafarmer zerstört. Vor allem kapitalkräftige, ausländische Großkonzerne sind verantwortlich für den täglichen Raubbau am Urwald und die Vertreibung der dort lebenden Menschen und Tiere. 

Der Dokumentarfilm „AGROkalypse – der Tag, an dem das Gensoja kam“ verfolgt den Weg der brasilianischen Sojabohne bis zu ihrem Ende als Tierfutter. In sehr persönlichen Porträts wird gezeigt, wie dabei die Ureinwohner Brasiliens von ihrem Land vertrieben werden, damit es immer mehr Anbauflächen gibt. Gleichzeitig begleitet die Kamera den Tofuhersteller Wolfgang Heck, der seit über 25 Jahren für den ökologischen Sojaanbau kämpft und für den es immer schwieriger wird in Brasilien nachhaltig mit Kleinbauern zusammenzuarbeiten.“

„AGROKalypse“
Dokumentarfilm, Deutschland 2016
60 Minuten
Regie: Marco Keller

Mittwoch, 26. Februar 2020, 19:00 Uhr
Forum der Bergischen VHS,
Mummstr. 10, 42651 Solingen

Der Eintritt ist frei.

Vorschau:

 

 

Kino für Menschenrechte: Raving Iran

Foto: Susanne Regina Meures

Am 22. Januar 2020 zeigen wir in Kooperation mit der Bergischen VHS den Dokumentarfilm „Raving Iran“ von Susanne Regina Meures.

„Arash und Anoosh arbeiten als DJs in Teherans Underground-Technoszene. Ohne Zukunftsaussichten und des ewigen Versteckspiels müde, planen sie unter gefährlichen Umständen einen letzten manischen Rave in der Wüste. Zurück in Teheran, versuchen sie ihr illegales Musikalbum ohne Bewilligung unter die Leute zu bringen. Als Anoosh an einer Party verhaftet wird, erlischt auch der letzte Funke Hoffnung. Doch dann erreicht sie ein Anruf aus Zürich von der größten Techno-Party der Welt. Die Euphorie in der Schweiz verflüchtigt sich jedoch schnell, als ihnen der Ernst der Lage bewusst wird.“

„Raving Iran“
Dokumentarfilm, Schweiz 2016
84 Minuten
Regie: Susanne Regina Meures

Mittwoch, 22. Januar 2020, 19:00 Uhr
Forum der Bergischen VHS,
Mummstr. 10, 42651 Solingen

Der Eintritt ist frei.

Vorschau:

 

 

Vortrag über die Universalität der Menschenrechte

Am 30. November 2019 hielt Prof. Dr. Heiner Roetz einen Vortrag zum Thema „Die Universalität der Menschenrechte – Ist ein Konsens unterschiedlicher Sichtweisen der Menschenrechte möglich?“.

Der emeritierte Professor für Geschichte und Philosophie Chinas forschte an der Ruhruniversität Bochum unter anderem zu Menschenrechtsfragen und kulturübergreifender Bioethik. Die Solinger Gruppe von Amnesty International hatte ihn am Internationalen Tag der Städte gegen die Todesstrafe in Kooperation mit der VHS und der Stadt Solingen eingeladen, um die aktuelle weltweite Lage der Menschenrechte einzuschätzen.

Prof. Heiner Roetz wendete sich gegen den Versuch, die Menschenrechte als allgemeingültige globale Normen in Frage zu stellen. Einer immer wieder gegen sie vorgetragener Einwand laute, dass sie den nicht-westlichen Kulturen nur aufgenötigt worden seien und ein ihnen im Grunde fremdes Wertesystem verkörperten. Der Einwand komme auch aus Politik und Wirtschaft, wenn man sich die Zusammenarbeit mit autoritären Regimen nicht stören lassen will, sowie von diesen Regimen
selbst.

So bestehe heute z.B. China auf einer eigenen Lesart der Menschenrechte, die darauf hinauslaufe, die klassischen bürgerlichen Freiheitsrechte zugunsten sogenannter kollektiver Rechte zu beschneiden. Das Regime berufe sich hierfür unter anderem auf die Besonderheit der chinesischen Kultur.

Heiner Roetz wies dieses Argument zurück und erinnerte daran, dass es im Westen selbst gegen die Menschenrechte vorgetragen wurde. So seien sie auch von den Päpsten des 19. Jahrhunderts als der christlichen Tradition zuwiderlaufend zurückgewiesen worden. Er vertrat hiergegen die Ansicht, dass die Menschenrechtsfrage keine kulturelle, sondern eine politische sei und ein substantieller Konsens auch über die Kulturen hinweg möglich sei, wenn man sich um ihn bemühe.

Was der Idee der Menschenrechte tatsächlich mehr geschadet habe als ihre angebliche Unvereinbarkeit mit fremden Wertesystemen, sei die reale menschenrechtsverletzende Praxis des Westens, also genau jener Kultur, die beanspruche, sie erfunden zu haben.

In der anschließenden von Bernhard Erkelenz moderierten Diskussion gingen der Solinger MdL Josef Neumann, ZUWI-Vorsitzender Hassan Firouzkhah und Hanna Attar vom AWO-Projekt „Nicht in meinem Namen!“ auf diese Argumentation ein.

Josef Neumann bestätigte zwar, dass die Menschenrechts-Situation weltweit immer noch besorgniserregend sei, dass aber in einzelnen Politikfeldern große Fortschritte zu erkennen seien. Er schlussfolgerte, dass sich die Durchsetzung und Einhaltung aller Menschenrechte erreichen ließe, wenn die zivilgesellschaftlichen Akteure weiter beharrlich dafür kämpfen und die Politik entsprechend zur Rechenschaft zögen.

Der aus dem Iran stammende Hassan Firouzkhah sah die Menschenrechts-Situation auf der Welt als nicht zufriedenstellend an und meinte, dass Autokraten und diktatorische Regime nur durch politische, militärische und vor allem wirtschaftliche Maßnahmen zur Einhaltung dieser Rechte gebracht werden könnten.

Hanna Attar von der AWO betonte, dass sich Konflikte länder- und kulturübergreifend am besten durch zwischenmenschliche Begegnungen, einen persönlichen Meinungsaustausch, das Eintreten für eine offene Gesellschaft und ein vorurteilsfreies Aufeinanderzugehen verhindern lassen.

Lichtkünstler Frank Göllmann hatte wie im letzten Jahr den Veranstaltungsort mit einer grünen Lichtinstallation in Szene gesetzt. Weltweit werden im Rahmen der Initiative „Cities for Life“ am Tag der Städte gegen die Todesstrafe öffentliche Gebäude grün angestrahlt.

Film-Projekt über den Kongo wühlt Zuschauer auf

Moderatorin Tina Adomako (2.v.l.) band in die Diskussion mit Dramaturgin Eva-Maria Bertschy (3.v.l.), Jimmy Kenga (links) und Ariane Bischof (rechts) auch das Publikum ein. Foto: Daniela Tobias

Wie sich das Publikum fühle, wollte Moderatorin Tina Adomako vor Beginn der Diskussionsrunde wissen. Traurig, ratlos, wütend, äußerten einige der etwa 40 Besucher, die sich den Dokumentarfilm „Das Kongo-Tribunal“ zuvor angesehen hatten. Die Solinger Gruppe von Amnesty International, der Arbeitskreis Bildung für nachhaltige Entwicklung und das Forum für soziale Innovation hatten das vielbeachtete Filmprojekt des Regisseurs Milo Rau im Bürgersaal der Stadtkirche am Fronhof gezeigt.

Die Dramaturgin des Films, Eva-Maria Bertschy, war für die anschließende Gesprächsrunde angereist und beantwortete zusammen mit Ariane Bischoff, der Nachhaltigkeitsbeauftragten der Stadt Solingen, und Jimmy Kenga von der Wuppertaler Initiative Africa 2000 die zahlreichen Fragen des Publikums.

Das fiktive Tribunal mit realen Betroffenen und Verantwortlichen fand 2015 gleichzeitig im Kongo und in Berlin statt und verhandelte Menschenrechtsverbrechen durch Großkonzerne und Milizen, die weder durch die kongolesische Regierung noch durch die Weltgemeinschaft verhindert oder sogar noch befördert wurden.

Ariane Bischoff setzte der gefühlten Machtlosigkeit entgegen, dass neben den Wirtschaftslobbyisten auch die Bürger ihren Einfluss durch Petitionen geltend machen können. „Derzeit gibt es eine Kampagne für ein wirksames Lieferkettengesetz, denn die Selbstverpflichtung der Unternehmen hat versagt.“

Eva-Maria Bertschy betonte, dass man Politiker auf allen Ebenen in die Pflicht nehmen müsse. „Die Verantwortung auf die Bürger und ihre Konsum­entscheidungen abzuwälzen hilft nicht weiter. Es müssen klare Regulierungen her und deren Einhaltung sichergestellt werden.“

Aus der Erfahrung von Amnesty International wisse man, dass Hartnäckigkeit sich am Ende auszahle, so Helmut Eckermann. Auch Jimmy Kenga hat die Hoffnung, dass sein Geburtsland Kongo sich weiter stabilisiert. Das Prinzip der Ausbeutung, das seit der Kolonialzeit besteht, müsse aber ein Ende haben.

Vor Ort hatte das inszenierte Tribunal reale Auswirkungen. So trat nach der Veröffentlichung des Films der Innenminister der Provinz zurück. Auch das EU-Parlament sah sich die Dokumentation an. „Gerne hätten wir ihn Vertretern von Großkonzernen gezeigt, aber dort gab es keine Bereitschaft“, bedauerte Eva-Maria Bertschy.